Chengdu

Nachdem die letzten Tage hauptsächlich aus in Treffen mit Grace Familie bestanden, ging es nun nach Chengdu in Sichuan.

Den ersten Kulturschock erlitt Grace bereits am Flughafen. In der Damentoilette durfte sie Zeuge davon werden, wie eine Reisende auf einem Hockklo mit OFFENER Tür ihr großes Geschäft verrichtete – ihren Louis Vuitton Koffer und Dior Handtasche direkt neben ihr und lautstark telefonierte… und keiner der Einheimischen schien das auch nur im entferntesten irritierend zu finden.

Meinen ersten Kulturschock habe ich beim Ausgang der Metro, als ich Tiergeräusche vernehme, die ich zuerst für Vögel gehalten habe. Ich war vorbereitet Vögel, Fische oder Schildkröten in viel zu kleinen Käfigen oder Behältern zu sehen. Aber stattdessen wurden auf der Straße Hundewelpen und Katzen in winzigen Käfigen zum Verkauf gehalten. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal so etwas trauriges gesehen habe. 

Ansonsten offenbart sich China ersten Abend so, wie ich es erwartet hatte. Alles sehr modern, ohne chinesische Apps für’s Bezahlen, Taxifahrten, Navigation und Bestellen im Restaurant ist man komplett verloren. Gleichzeitig verhalten sich die Menschen so, wie ich es auch 2010 schon erlebt habe. Sehr laut und drängelnd und auch das typische Müll im Restaurant einfach auf den Boden zu schmeißen, hat sich nicht geändert. Taxifahrten sind mit durchschnittlich 1,30€ sehr bezahlbar und der Fahrer wartet auch nicht, dass man bezahlt hat, sondern per App kommt automatisch die Rechnung, die man hinterher bezahlt.

Unser erstes Essen in Chengdu war extrem lecker. Es war nach Mitternacht und wir wählten einfach eins, mit den meisten Gästen. Es war ein BBQ Restaurant, bei dem es 50 verschiedene Gerichte als Spießchen gab. Unser Highlight waren die Bohnen, die jede einzelne auf einem Spieß gezogen wurde. Ich war froh, dass wir den Mais nicht probiert haben, jedes Korn wurde auch da einzeln aufgespießt. Und zu allem der Mix aus gemahlenen Erdnuss- und Chilis zum Dippen war so gut! 

Heute Morgen steht im Zeichen von Organisatorischem. Die notariell beglaubigte Übersetzung unserer Führerscheine hat bereits im Hotel auf uns gewartet. Temporäre Anmeldebestätigung gab’s im Hotel. Eine chinesische SIM-Karte mit chinesischer Nummer zu bekommen, dauerte allerdings über eine Stunde Wartezeit. Und dann ging es zur Führerscheinstelle, einen temporären Führerschein zu beantragen. Dort ging es dafür viel schneller als erwartet. Nach einer halben Stunde waren wir stolze Besitzer eines chinesischen Führerscheines.

Anschließend starten wir ein wenig Sightseeing in Chengdu und schauen uns das Wenshu Yuan Kloster an. Eines der ältesten Kloster Chinas mit einer Geschichte von mehr als 1400 Jahren. 

Weiter geht’s zum Peoples Park, wo Einheimische und Touristen zum Teetrinken in die berühmten Teehäuser kommen, Bootchen auf dem See fahren oder einfach zur Musik tanzen. 

Chengdu ist übrigens für seine queere Szene bekannt und gilt auch in der Hinsicht als extrem entspannte Stadt.

Zum Abend treibt es uns ins moderne Chengdu in den Tianfu Financial District, mit seinen illuminierten Zwillingstürmen und der irren Jiaozi Pedestrian Bridge. 

Zum Abschluss geht’s zum Essen zurück nach Downtown und wir übertreiben es bewusst mit Laziji (Huhn mit Chili), Shrimps mit Knoblauchstangen, gebratenen Bohnen und Kartoffelstreifen. Das Restaurant war auch um 23h noch extrem voll und laut – Öffnungszeiten bis 5 Uhr morgens. Wir stellen fest, dass man hier (in China) sich einfach irgendwo hinsetzen und den Leuten zuschauen kann. Es ist einfach immer was los:

Eine Familie die den ganzen China Telecom Laden zusammenbrüllt, die Cosplay-Mädchen, die extrem aufwändige Kostüme tragen, der Staßenhändler, der mit Kippe im Mund auf der Straße Berge von Fleisch zerhackt, der Tänzer im Park, die betrunkenen Businessleute, die sich gegenseitig im Arm liegen und fast vor das gerufene Taxi fallen… besser als jedes Fernsehprogramm.