Gen’yen Mountains

Ein bisschen widerwillig machen wir uns auf den Weg die besonderen Orte rund um den Berg Gen’yen zu erkunden. Das Gute ist, dass alles ohnehin fast auf dem Weg nach Batang liegt, wo wir für die nächste Nacht hinmüssen. Der erste Stopp das „Gen’yen Eye“ ist ein Auge oder Loch in der Graslandschaft, das durch Gletscheraktivitäten entstanden ist. Die Berge verstecken sich noch hinter einem Wolkenvorhang und so spektakulär ist das Loch jetzt wirklich nicht. Was kein Grund dafür ist, dass die Leute nicht trotzdem ein totales Verkehrs- und Müllchaos anrichten müssen. Völlig gedankenlos werden die Autos so abgestellt, dass sich wieder ewige Staus bilden und keiner mehr vor- und zurückkommt.

Irgendwie schaffen wir es trotzdem zum Lenggu Kloster zu kommen, wo uns eine kleine Wanderung erwartet. Vom neuen bis zum alten Kloster sind es knapp 4 km, allerdings befinden muss man auf ca. 4200 m aufsteigen, wo die Luft doch merklich dünner wird. Die Wanderung könnte auch wunderschön sein, wenn nicht ständig Motorräder ewig hupend und mit lauter Musik verweichlichte Touristen zum Kloster hinauffahren würden. Wir nennen diese Art von Touristen jetzt nur noch Schneeflöckchen, die selbst ohne jegliche Anstrengung ständig zur Sauerstoffflasche greifen und mit allem, was sich außerhalb des Handys abspielt, massiv überfordert zu sein scheinen. Interessanterweise sind es überwiegend ältere Tibeter, die den Weg auch zu Fuß bewältigen. Und interessanterweise, sind die extrem freundlich und können sich auch benehmen, während die Schneeflöckchen völlig rücksichtslos auch noch ihren Müll vom Motorrad aus in der Landschaft entsorgen.

Wie cool ist denn dieser Yak-Schweif?
Es könnte so schön sein, ohne den Lärm der scheppernden Lautsprecher hinten drauf.

Der Weg ist gepflastert mit Gebetsfahnen und kleinen Steintürmen, die Gläubige errichten und nicht selten eine 1 Yuan Note als Opfer darunterlegen. Die Landschaft ist spektakulär und alle paar hundert Meter ergibt sich ein neuer Blick auf die Berge. Episch wird es, als das Kloster mit den 6000ern im Hintergrund in Sicht kommt.

Hier noch ein paar Dronenaufnahmen:

Auch das Koster ist wunderschön und so wild dekoriert, dass man Stunden damit verbringen könnte, alle Kleinigkeiten zu entdecken. Die Ursprünge des Klosters sind ca. 800 Jahre alt und innen finden sich tolle Thankas und Statuen. Fast erschrecken wir uns an der naturgetreuen Wachsfigur des 14. Dalai Lamas, die hier neben anderen Persönlichkeiten verehrt wird.

Darstellung des Samsara
Wo soll man zuerst hinschauen?
Funky eyes
Damn! Der sah verdammt echt aus.
Wie schön ist denn dieser Türrahmen?
Super nervig, aber wenigstens hübsch

Die Verbindungsstraße zwischen Litang und Batang, die an den Gen’yen Mountains vorbeiführt wurde in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Allerdings besteht der Teil, den die meisten Touristen besuchen, noch zum großen Teil aus reiner Lehmpiste oder aus Betonstraße, die an den Rändern oft 30 cm oder mehr abfällt, so dass man auch nicht zur Seite ausweichen kann und das bei einer Breite, dass zwei Autos nur knapp aneinander vorbei passen. Dank Schneeflöckchen, die ihre Autos über die Schlaglöcher tragen, Idioten, die ihre Autos völlig gedankenlos abstellen und kleinen Pannen, wenn jemand die Begrenzung der Straße nicht einhalten konnte und mit der Vorderachse jetzt aufgesetzt ist, entsteht hier auch wieder das totale Chaos. Als sich wieder alles verkeilt hatte, beschloss ich, den Leuten mit dem frei hängenden Rad und aufgesetzter Achse zu helfen, damit sich wenigsten irgendwas wieder bewegen kann. Zum Glück kamen aber auch schon andere auf die gleiche Idee und gemeinsam unterfütterten wir das Vorderrad mit Steinen und mit acht Leuten, die das Auto wieder auf die Straße schoben, haben wir wenigsten dieses Hindernis beseitigt.

Irgendwann haben wir uns dann zusammen mit ein paar echten 4×4-Wagen vom Rest der Schlange lösen können und sind mit vernünftiger Geschwindigkeit über die Lehmstraße gefahren, die Schneeflöckchen weit hinter uns lassend. An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, dass ich erstaunt bin, was die Chinesen für Autos bauen können. Unser BYD Song hat eine dermaßen gute Straßenlage wie ich sie sonst noch nicht erlebt habe. Das Auto kommt extrem stabil um engste Kurven und die Federung fängt Schlaglöcher und selbst größere Kanten im Boden extrem gut ab. Und auch das Verhalten bei einer Vollbremsung, wenn ein LKW während man überholt einfach nach links zieht, war tadellos und super stabil.

Nachdem wir uns vom großen Rest der Masse etwas absetzen konnten, können wir auch die Langschaft im Vorbeifahren besser würdigen. Eine Stunde vor Batang quälen wir das Auto noch über einen Pass auf 4900 m. Der Motor muss bei der dünnen Luft auch spürbar arbeiten. Wir kommen in eine ordentliche Regenfront, die uns die spekatkulärsten Regenbogen beschert, die man sich vorstellen kann. So intensive Farben habe ich noch nie gesehen. Nach jeder Serpentine bei der Abfahrt von 4900 m auf 2600 m stoßen wir ein neues „woaahhh“ aus. Und schließlich kommen wir nach Batang, das uns auf den ersten Blick erstaunlich gut gefällt. Nur wenige Kilometer von der Provinzgrenze nach Tibet entfernt, kommt die Stadt sehr entspannt rüber. Am nächsten Tag müssen wir hier mehr erkunden.

Zwischendurch finden wir noch eine Abkürzung, die zwar über 10 km Schotterpiste führt, aber dafür 40 km spart.